Am 8. März ist Weltfrauentag – ein Tag, der nicht nur zum Feiern einlädt, sondern auch zum Nachdenken. Denn trotz vieler Fortschritte in den vergangenen Jahren besteht sie weiterhin: die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, auch bekannt als Gender Pay Gap.

Doch was steckt eigentlich dahinter und warum ist das Thema auch für unsere Gesellschaft und Wirtschaft so relevant?

Was bedeutet Gender Pay Gap?

Der Gender Pay Gap beschreibt den durchschnittlichen Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen. Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen: Frauen verdienen in Deutschland im Jahr 2025 durchschnittlich rund 16 % weniger pro Stunde als Männer. Ist Westdeutschland ist der Unterschied besonders groß.

Dabei wird zwischen zwei Formen unterschieden:

  • Unbereinigter Gender Pay Gap: Die reine Differenz der Durchschnittsgehälter
  • Bereinigter Gender Pay Gap: Berücksichtigt Faktoren wie Branche, Berufserfahrung oder Arbeitszeit

Rund zwei Drittel der Lohnlücke lassen sich laut Statistischem Bundesamt auf strukturelle Unterschiede zurückführen – etwa bei Berufswahl, Arbeitszeit oder Erwerbsverläufen. Doch selbst wenn Qualifikation, Tätigkeit und Erwerbsbiografie vergleichbar sind, bleibt ein Unterschied bestehen: Der bereinigte Gender Pay Gap beträgt laut tagesschau weiterhin rund sechs Prozent beziehungsweise 1,71 Euro pro Stunde.

Ein Teil dieser Differenz könnte auf Faktoren zurückzuführen sein, die statistisch nicht vollständig abgebildet werden, beispielsweise Erwerbsunterbrechungen durch Schwangerschaft, Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen. Die verbleibenden sechs Prozent gelten daher als rechnerische Obergrenze für eine mögliche Lohndiskriminierung.

Warum verdienen Frauen im Schnitt weniger?

Die Gründe für den Gender Pay Gap sind vielfältig und oft strukturell bedingt:

  • Teilzeitarbeit und Care Arbeit: Frauen arbeiten aus meist familiären Gründen deutlich häufiger in Teilzeit und übernehmen mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer
  • Berufswahl: Viele Frauen sind in schlechter bezahlten Branchen tätig, etwa im sozialen Bereich
  • Führungspositionen: Männer sind nach wie vor häufiger in leitenden Positionen vertreten
  • Erwerbsunterbrechungen: Elternzeit oder Pflegezeiten wirken sich langfristig auf die Karriere aus

Doch selbst bei vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit bleibt ein Unterschied bestehen. Das zeigt: Neben strukturellen Ursachen spielen auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen eine Rolle.

Welche Auswirkungen hat der Gender Pay Gap?

Die Lohnlücke hat weitreichende Folgen – nicht nur für einzelne Frauen, sondern für die gesamte Gesellschaft:

Für Frauen Für Unternehmen Für die Gesellschaft
geringeres Einkommen über die gesamte Lebenszeit ungenutzte Potentiale und Fachkräfte wirtschaftliche Ungleichheit
niedrigere Rentenansprüche geringere Vielfalt in Teams geringere Kaufkraft
höheres Risiko für Altersarmut weniger Innovationskraft langsamere wirtschaftliche Entwicklung

Wie kann die Lohnlücke verringert werden?

Der Gender Pay Gap ist kein unveränderliches Problem. Es gibt konkrete Ansätze, um ihn zu verkleinern:

Unternehmen können:

  • für mehr Gehaltstransparenz sorgen
  • Frauen gezielt in Führungspositionen fördern
  • flexible Arbeitsmodelle ermöglichen

Politik und Gesellschaft können:

  • die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern
  • Kinderbetreuung weiter ausbauen
  • faire Rahmenbedingungen durch Gesetze schaffen

Jede Einzelne kann:

Trotzdem sind grade strukturelle Gründe nicht mal eben zu verändern. Es besteht weiterhin die Notwendigkeit, den Gender Pay Gap zu thematisieren und ihm aktiv entgegenzuwirken.

Warum das Thema auch uns als Bank bewegt

Finanzielle Unabhängigkeit ist ein entscheidender Baustein für ein selbstbestimmtes Leben. Als Volksbank tragen wir nicht nur wirtschaftliche, sondern auch gesellschaftliche Verantwortung. Der Gender Pay Gap ist dabei weit mehr als eine statistische Kennzahl. Er hat konkrete Auswirkungen auf die finanzielle Situation vieler Frauen und damit auch auf zentrale Themen unserer Beratung.

Ein geringeres Einkommen bedeutet häufig auch:

  • weniger Spielraum beim Vermögensaufbau
  • geringere Möglichkeiten zur privaten Altersvorsorge
  • ein höheres Risiko für finanzielle Abhängigkeit und Altersarmut

Diese Faktoren erfordern eine Beratung, die individuelle Lebensrealitäten stärker berücksichtigt. Female Finance bedeutet für uns daher nicht „separate Produkte für Frauen“, sondern eine sensiblere, lebensphasenorientierte und vorausschauende Finanzplanung. Laut einer Studie des ZEW (Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) schneiden Frauen weltweit schlechter bei finanzieller Bildung ab als Männer. Ein Teil der Geschlechterunterschiede lässt sich auf mangelndes Selbstvertrauen zurückführen. Deshalb sehen wir es als unsere Aufgabe, insbesondere Frauen dabei zu unterstützen, ihre finanzielle Zukunft aktiv zu gestalten und ihr Selbstbewusstsein in Bezug auf Finanzthemen zu stärken.

Fazit: Gemeinsam für mehr Fairness

Der Gender Pay Gap zeigt, dass Gleichberechtigung auch heute noch nicht selbstverständlich ist. Gleichzeitig machen aktuelle Entwicklungen deutlich: Veränderung ist möglich, wenn wir sie gemeinsam angehen und Angebote schaffen, die die Gerechtigkeit fördern.